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Milliarden für die Raumfahrt? Ja, der Flug zum Mond ist sein Geld wert

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Die Besatzung der Artemis II-Mission ist gesund zurückgekehrt auf die Erde. Die Erleichterung darüber ist groß, dass eine defekte Bordtoilette das größte Problem war. Die Reise hat uns spektakuläre Momente beschert, von Aufnahmen des Raketenstarts aus einem Flugzeug bis zu Bildern einer sichelförmigen Erde am Mond-Horizont. Mit der Mission verbunden ist die Bestätigung, dass die Menschheit in der Lage ist, den Trabanten zu erreichen. Artemis II hat damit die Basis für eine neue Mondlandung gelegt. Nie war eine Besatzung weiter von der Erde entfernt. Und erstmals war mit Christina Koch eine Frau Richtung Mond dabei. Trotzdem stellt sich die Frage: War die Mission diese Ausgaben, war sie dieses Risiko wert? Müssen wir zum Mond?

Die Raumfahrt ist nicht ohne Gefahr, daran erinnert die Challenger-Katastrophe 1986, als die Raumfähre nach dem Start explodierte. Und die Raumfahrt ist teuer. Allein der Artemis II-Start hat vier Milliarden US-Dollar verschlungen, auch europäische Steuergelder. Könnte man dieses Geld nicht besser anlegen? Diese Frage kann man zu Recht stellen, zumal Staaten wie Deutschland in der Entwicklungshilfe kürzen und die USA ihre Hilfsorganisation USAID komplett zerschlagen haben. Müssen wir ins All, wenn wir unsere eigene Welt noch nicht in Ordnung gebracht haben? Ja, lautet die Antwort.

Warum zum Mond? Neugier treibt die Menschheit voran

Man kann die Raumfahrt psychologisch deuten. Den Menschen scheint eine Neugier innezuwohnen, die sie dazu treibt, die Welt außerhalb ihres Heimatplaneten zu erkunden. Es ist dieselbe Neugier, die Bergpioniere auf den Mount Everest, Forscher in die Arktis oder Christoph Kolumbus nach Amerika getrieben hat. Ohne pathetisch zu werden, ist da auch eine religiöse Komponente.

Der Blick in den Himmel war immer mit der Frage nach der Herkunft der Menschen und nach Gott verbunden. Bilder der ersten Apollo-Mission aus den 60er Jahren haben den Blick zudem auf die Erde gelenkt und das Bewusstsein der Menschheit geschärft, wie wertvoll und wie verletzlich dieser blaue Planet ist. Es sprechen aber auch ganz pragmatische Gründe für die Raumfahrt.

Raumfahrt steht in Bayern für 38.000 Arbeitsplätze

Schätzungen gehen davon aus, dass die Raumfahrt bis zum Jahr 2040 einen Wert von rund zwei Billionen Euro erreichen wird. Bayern hat sich als einer der führenden Standorte in Europa etabliert. Die Raumfahrt im Freistaat steht inzwischen für rund zwölf Milliarden Euro Umsatz, sie beschäftigt 550 Firmen, gibt rund 38.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Arbeit.

Beispiele sind das Raumfahrtzentrum in Oberpfaffenhofen oder das Unternehmen MT Aerospace, das in Augsburg wichtige Teile für Raketen herstellt. Insbesondere ist es aber eine Frage der Sicherheit, in der Raumfahrt dabei zu sein.

Satelliten-Technik wichtig für Sicherheit und Verteidigung auf der Erde

Spätestens der Ukraine-Krieg zeigt, wie wichtig Satelliten für die Gefahrenabwehr im Konfliktfall sind. Kriege am Boden werden immer stärker durch die Technik im All mitbestimmt. Derzeit erscheint es mit Donald Trump ungewiss, inwieweit sich Europa auf den Partner USA noch verlassen kann.

Es ist deshalb nicht nur gut, dass Europa mit der Ariane-Rakete einen eigenen Zugang zum All hat. Es steigt auch der Wert von Projekten wie dem Artemis-Programm, in dem es noch Kooperationen über den Atlantik hinweg gibt. Das Sicherheitsmodul für die Energieversorgung der Astronauten und die Manövrierbarkeit wurde zum Beispiel in Bremen montiert. Bei einer der nächsten Artemis-Missionen könnte ein deutscher Astronaut dabei sein.

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© Augsburger Allgemeine