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Der Skandal um Ex-Prinz Andrew zeigt: Wir wollen an Illusionen glauben, statt die Realität zu sehen

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20.02.2026

Der Skandal um Ex-Prinz Andrew zeigt: Wir wollen an Illusionen glauben, statt die Realität zu sehen

Nach der Verhaftung von Andrew Mountbatten-Windsor wird klar: Die Royals sind keine bessere Oberklasse – sondern nur die glamourösere Variante des ganz gewöhnlichen Menschen.

Am vergangenen Freitag die Titelgeschichte in fast allen britischen Zeitungen: die Festnahme von Skandalprinz Andrew.

Monarchien sind keine historischen Relikte, sondern psychologische Dienstleister. Es gibt sie in erster Linie noch, weil sie für die Bevölkerung auf emotionaler Ebene nützlich sind.

So projiziert Otto Normalbürger seine eigenen Sehnsüchte nach einem sorgenfreien, besseren Leben auf die Adeligen seines Landes: Der König oder die Königin repräsentieren das Beste aus dem Kulturgut einer ganzen Nation. Sie sind Spiegel, in denen sich die Gesellschaften schöner sehen wollen, als sie sind.

In Grossbritannien ist der Spiegel nun zerbrochen. Ex-Prinz Andrew wurde am Freitag wegen seiner Rolle im Epstein-Skandal verhaftet. Er soll geheime Informationen an den Sexualstraftäter weitergegeben haben. Der tiefe Fall des Adeligen irritiert die Öffentlichkeit aber nicht so sehr wegen der Verfehlungen, sondern wegen des Zusammenbruchs der Illusion, dass es bei der Elite anständiger zugehe als beim Normalvolk.

Plötzlich bröckelt auch das Bild der vermeintlich grossen moralischen Autorität Queen Elizabeth II. Denn nun wird klar, dass die verstorbene Königin offenbar einen Mantel des Schweigens über die Machenschaften ihres Sohns geworfen hat – und ihm gemäss neuen Medienberichten Geld lieh, um seinen Skandal mit Schweigeerklärungen aus der Welt zu schaffen. Das sind nicht gerade Werte, die in unserer Gesellschaft hochgehalten werden.

Ex-Prinz Andrew beschädigt mit seinen Machenschaften nun auch das ideele Erbe seiner Mutter Queen Elizabeth II.

Dennoch greift die moralische Empörung zu kurz. Denn für Elizabeth als Mutter und Charles als Bruder ist Ex-Prinz Andrew Familie. Und eine Familie ist kein Gremium, bei dem Mitglieder bei Fehlverhalten ausgeschlossen werden. Für die Führung des britischen Königshauses stellt die Affäre um Andrew deshalb einen kaum lösbaren moralischen Konflikt dar.

Ein ähnliches Bild zeigt sich im Vergewaltigungsprozess gegen Marius Borg Høiby. Der Sohn der norwegischen Kronprinzessin Mette-Marit musste diese Woche vor Gericht aussagen und sah sich heftigen Vorwürfen ausgesetzt. Gleichzeitig war auch seine Mutter Mette-Marit wegen ihrem Kontakt zu Sexualstraftäter Jeffrey Epstein in der Kritik.

Die Fälle zeigen, dass der Adel nicht als echtes Vorbild geeignet ist. Denn trotz allem Nimbus bleiben auch blaublütige Prominente vor allem eines: Menschen. Und damit sind sie fehlbar. Dessen sollten wir uns bei allen Arten von Vorbildern bewusst sein.

Des Prinzen neue Kleider: Die Karikatur der Woche von Silvan Wegmann.

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Daniel Schönmannvor 5 Tagen10 EmpfehlungenIch weiss nicht, wie man dazu kommen kann, der Machtelite besondere moralische Qualitäten zuzuschreiben. Betrachtet man die Geschichte, dann wird sofort klar, dass die “Eliten” immer davon überzeugt waren, über den gewöhnlichen Leuten zu stehen, um besondere Vorrechte zu geniessen. Das wurde aus religiösen Vorstellungen abgeleitet oder einfach nur praktiziert wie heute. Die Elite weiss, dass ihr nichts passieren kann, auch bei schwersten Verbrechen nicht. Epstein ist wohl ein Bauernopfer und die Justiz (die ja unabhängig sein soll) wird sich hüten, gegen die wirklich Mächtigen vorzugehen.10 Empfehlungen

Ich weiss nicht, wie man dazu kommen kann, der Machtelite besondere moralische Qualitäten zuzuschreiben. Betrachtet man die Geschichte, dann wird sofort klar, dass die “Eliten” immer davon überzeugt waren, über den gewöhnlichen Leuten zu stehen, um besondere Vorrechte zu geniessen. Das wurde aus religiösen Vorstellungen abgeleitet oder einfach nur praktiziert wie heute. Die Elite weiss, dass ihr nichts passieren kann, auch bei schwersten Verbrechen nicht. Epstein ist wohl ein Bauernopfer und die Justiz (die ja unabhängig sein soll) wird sich hüten, gegen die wirklich Mächtigen vorzugehen.


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